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Eichendorff. Die romantische Poesie eines tragischen Schicksals


Am 29. Oktober 1999 wurde an der Universität Oppeln ein Symposium "Joseph von Eichendorff - der herausragende Dichter aus dem Ratiborer Land" veranstaltet. Veranstalter waren das Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit, das Institut für Polnische Philologie der Universität Oppeln und das Oppelner Eichendorff-Konversatorium. Es war kein Jahrestag- bzw. Gelegenheitssymposium - zwei wichtige Jahrestage, die mit dem Dichter aus Lubowitz zusammenhingen, wurden 1957 und 1988 versäumt: jeweils zum Anlass des 150sten Todes- und des 200sten Geburtsjahres. Keiner hat damals getan - oder hatte nicht den Mut dazu - um dies offiziell zu feiern. Die besonders schwache Rezeption des Dichters aus Lubowitz im Nachkriegspolen hat sicherlich mit dazu beigetragen. Hat man doch vieles dafür getan, um den Boden vertrocknen zu lassen, aus dem die romantische Poesie Eichendorffs gesprossen ist - nämlich die Multikulturalität und Mehrsprachigkeit in Oberschlesien, die bereits am Anfang des 16. Jh. der Dichter Salomon Frencel in seiner "De triplici patria oratio" ("Über die dreifache Heimat") gepriesen hat. Das Verwischen von materiellen und geistigen Spuren hinterlässt heute noch tiefe Wunden im Bewusstsein der Bevlkerung der Region.

Ein gewisses Heilmittel gegen diese Wunden kann die bereits wohl bekannte und vielgeschtzte Veröffentlichung sein, die Texte zusammenfasst, die während des oben genannten Symposiums vorgetragen wurden. Selbst die Namen von Referenten, unter denen die hervorragendsten Forscher und Übersetzer des Eichendorffschen Werkes zu finden sind, versprechen eine interessante Lektüre. Und die Lektüre ist gar hinreissend, obwohl es sich dabei um keine populärwissenschaftliche Veröffentlichung handelt. Aus dem Beitrag von Prof. Jerzy Pośpiech "Zum Leben und Werk des Dichters" erfahren wir u.a. Einiges zum Studenten- und - dem eher misslungenen - Berufsleben Eichendorffs, der als Beamter des Ministeriums für Religiöse Konfessionen und des Auswärtigen Amtes sein ganzes Leben lang zwischen Berlin, Wien, Paris und Königsberg hin und her pendelte, um sich letztendlich als Verbitterter und Enttäuschter in Neisse niederzulassen. "Mein Herz ist zerrissen" - schreibt er 1855. "Meine ganze Zukunft scheint mir unmöglich". Es ist ein Bild eines Unglücklichen, der allerdings Gedichte schafft, die andere glücklich machen. Eben dieser Poesie widmen sich weitere Beiträge, in denen u.a. religiöse Elemente (Dr. Marcin Worbs), die Sprache (Prof. Gerhard Nickel) oder Übersetzungsprobleme (Jerzy Szymik) analysiert werden.

Nach Theodor Adorno ist Eichendorff kein Heimat-Dichter, sondern ein Dichter von der Sehnsucht nach der Heimat. Diese wird von Andrzej Lama sehr eindrucksvoll geschildert, der über Eichendorffs innige, ja mystische Beziehung zur Heimat schreibt. Der Weg zum Verständnis des Lubowitzer Romantikers führt wohl über das Kennenlernen dessen heimatlicher Orte, wobei die Veröffentlichung des Hauses der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit sicherlich behilflich sein wird.



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