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13.03.2002

 

Übersetzung aus dem Polnischen: Dziennik Zachodni, 13.03.2002

Das Oppelner Land braucht eine historische Debatte über die Region.

Woher dieses Hitlersee?


Nach der Sczedrzik-Affäre um den Ortsnamen sollte die deutsche Minderheit eine Gewissensprüfung machen.

Am Montag hat die deutsche Minderheit der Gemeinde Malapane den Ortsnamen Hitlersee, der auf der Inschriftentafel des Mahnmales in Sczedrzik stand, zugegipst. Man tat es erst nachdem die Zeitung "DZ" (Westzeitung) nachgefragt hat, wer diese Aufschrift eingemeißelt habe und warum diese toleriert wurde. "Das ist eine Provokation, wir haben davon nichts gewusst. Jemand will die deutsche Minderheit anschwärzen", war Helga Baron, Vorsitzende der Gemeindestruktur der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Land, überzeugt.

Denkmälerfortsetzung?
Alles zeugt davon, dass hinter diese Affäre nicht irgendwelche antideutschen Provokateure stecken, sondern die örtlichen Funktionäre des DFK, die unter der Tafel aus dem Jahre 1934 unterschrieben haben. Wenn sich jemand anderer hinter dem DFK Sczedrzik verbergen würde, dann hätten die Funktionäre diese gefälschten Unterschriften längst entfernen lassen. Nichts der gleichen wurde getan und aus den Aussagen der Einwohner geht deutlich hervor, dass die Tafel vor zwei Jahren enthüllt wurde und es keinen der Einwohner gestört hat.
Das unsägliche Hitlersee wurde abgedeckt, aber dabei wird es wohl nicht bleiben. Politiker der nationalen Rechten bekamen damit ein starkes Argument gegen das Minderheitengesetz in die Hand. Sie haben jetzt einen Beweis, egal ob es nur ein Zwischenfall ist, womit die Zulassung doppelter Ortsnamen enden kann.
Auf Hitlersee müsste auch die lokale Verwaltung reagieren. "Es sieht danach aus, dass man über eine wiederholte Kontrolle der seit der 90er Jahre durch die deutsche Minderheit renovierten Denkmäler nachdenken muss. Damals fuhren wir von Dorf zur Dorf und haben stundenlang die Texte der Innschriften durchdiskutiert. Und jetzt stellt es sich heraus, dass nicht überall diese Vereinbarungen eingehalten werden", sagte gegenüber "DZ" Dr. Danuta Berlinska, die sich damals als Minderheitenbeauftragte des Oppelner Woiwoden mit der Denkmalangelegenheit befasst hat.
Signale, dass nicht alles in Ordnung ist, trafen im Oppelner Woiwodschaftsamt bereits früher ein. "DZ" stieß auf ein Schreiben des Woiwoden Leszek Pogan, der am 28. Februar 2002 alle Präsidenten, Bürgermeister und Gemeindevorsteher an die Notwendigkeit des Einhalten der Vereinbarungen bezüglich des Gedenkens an Tote erinnerte. Pogan stützt sich in seinem Schreiben auf die Vereinbarungen des Woiwodschaftskomitees zur Bewahrung der Erinnerung an den Kampf und das Märtyrertum, das: "eine permanente Nichteinhaltung" der Verordnung durch die Kommunalverwaltung und Organisationen festgestellt hat.

Keine schmutzige Wäsche wachen!
So eine Kontrolle wird jedoch nicht einfach sein, weil man von vorne herein annehmen kann, dass diese Aktion durch die deutsche Minderheit als Hetze und Narbenaufwühlung verstanden wird.

So wurde jedenfalls die Aktion der Zeitung "DZ" interpretiert, die von den Funktionsträgern des DFK ein Kommentar zur Hitlersee verlangte. Helga Baron appellierte, dass man ihr einige Tage Bedenkzeit einräume, Heinrich Kroll suggerierte, dass die Inschrift ohne Aufsehen abgedeckt werden sollte. Als "DZ" erklärte, dass die Presse die Pflicht habe vor allem auch über kontroverse Angelegenheiten zu berichten, erwiderte der Abgeordnete: "zahlt man Ihnen dafür, dass Sie Affären publik machen. Das bringt doch keinem der hier lebt etwas".
Kurzum, laut den Funktionsträgern der deutschen Minderheit sollte das Thema vertuscht werden aus Sorge um den guten Namen des Oppelner Landes. Nur ist es eine ungesunde Art des lokalen Patriotismus, die besagt, dass dem guten Namen des Oppelner Landes Personen, die mit der Ortsbezeichnung Hitlersee sympathisieren mehr dienen, als Journalisten, die ihre Motive zu ergründen versuchen.
In der Zeitung "DZ" wurde mehrmals geschrieben, dass das Oppelner Land einer öffentlichen, historischen Debatte verlangt. Aber nicht nur wir denken so darüber, auch Danuta Berlinska und das Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit in Gleiwitz sprachen sich über die Notwendigkeit der Berufung einer Konferenz zum Thema der topographischen Ortsnamen in Oberschlesien aus. Denn wenn man dieses Thema nicht bespricht, kann es nach Einführung des Minderheitengesetzes zu mehreren "Hitlerseevorfällen" im Oppelner Land kommen. "Ein halbes Jahrhundert nach dem Kriegsende rechnet ganz Europa mit der Geschichte ab. Alle europäische Nationen diskutieren öffentlich über die schwärzesten Seiten ihrer Geschichte. Und dabei stellt es sich heraus, dass sich ein Teil unserer deutschen Minderheit gänzlich aus dieser Diskussion raushält und nicht Willens ist, ihr Verhalten gegenüber der Vergangenheit zu revidieren", so Berlinska.

Wir verfolgen keine Dummheit
Helga Baron verspricht, dass sie das schwarze Schaft findet, das Hitlersee aus der Rumpelkammer der Geschichte auskramte. Und das bleibt wohl die einzige Ermittlung in dieser Sache. Die Oppelner Staatsanwaltschaft hat nämlich beschlossen, diesen Fall nicht zu bearbeiten. "Es wird nach der Glorifizierung der Nazizeit gefahndet, und hier hat man eher mit Dummheit zu tun", kommentierte der Sprecher der Kreisstaatsanwaltschaft Roman Wawrzynek. "Ich bin mir nicht sicher, ob dies die richtige Interpretation ist; Hitlersee ist eine Namensgebung Adolf Hitler zur Ehre. Wenn also jemand heute an diesen Namen anknüpft, wie soll es anders gedeutet werden?", meint Berlinska.
Man darf hier nicht vergessen, dass der geheimnisvolle Täter hier das Recht beider Vaterländer gebrochen hat, denn der Großteil der Mitglieder der Oppelner Minderheit besitzt zwei Staatsangehörigkeiten: die polnische und die deutsche. Und in der Bundesrepublik Deutschland wird jegliche Bezugnahme auf die Nazizeit hart und konsequent bestraft.

Nicht alle wissen, dass...
Man könnte hier boshaft fragen, ob die Regierung der Bundesrepublik nicht ein Fehler begangen hat, indem sie ihre Hilfe auf die Zuteilung von Lehrern ins Oppelner Land begrenzt hat. Vielleicht hätte man Historiker, Politiker oder sogar Psychologen dorthin schicken sollen, die sich damit beschäftigen sollten, zu erklären, dass das Dritte Reich nicht ein normaler deutscher Staat war und Adolf Hitler in der Bundesrepublik nicht als großer Führer und Staatsmann gilt. Denn es sieht danach aus, dass es nicht für alle klar ist.
Den Beobachtern von Außen kann diese Angelegenheit unverständlich und peinlich vorkommen. Die deutsche Minderheit hat doch sehr viel dafür getan, zu beweisen, dass sie keine dritte Kolonne sei. Sie will dafür Brücke in den deutsch-polnischen Beziehungen sein. Und deshalb sollten ihre Funktionsträger solche Vorfälle in den lokalen Strukturen nicht tolerieren. Die sofortige Abdeckung des Namens Hitlersee ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber es bedarf hier noch entschiedener Worte der Missbilligung.
Marek Swiercz


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